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Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Weidenhahn

 

 

Bereits vor der Gründung der ersten Freiwilligen Feuerwehren existierte eine von den Nassauischen Fürsten herausgegebene Feuerlöschordnung. Diese regelte die jeweils über ein Jahr laufende Verpflichtung der Bürger zum Löschdienst in einer Pflichtfeuerwehr und enthielt feuer- und baupolizeiliche Vorschriften zur Verhütung von Bränden.  


Die Pflichtfeuerwehr von Weidenhahn entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Kommando des Zimmermeisters Johann Weisenfeld. Die Anwendung der nassauischen Feuerlöschordnung bedeutete für Weidenhahn das Vorhalten folgender Ausrüstungsgegenstände:


 2  Wasserzisternen
 4  Einreißhaken
 8  Feuerpatschen (Grobleinentücher von 3 Ellen Länge und 3 Ellen Breite)
16 Eimer aus gepichtem Grobleinen (Segeltuch)


Im Fall eines Brandes bildete man zu dieser Zeit die übliche doppelte Eimerkette. Aber je länger die Eimerkette war, desto mehr Wasser wurde auf dem Weg vom Brunnen oder den Bächen bis zum Brandherd verschüttet. Ein weiterer Nachteil war die geringe Wurfweite des Wassers, was bedeutete, dass der Letzte in der Reihe ziemlich nah an das Feuer gehen musste, um überhaupt einen Löscherfolg zu erzielen.


Seit 1869 besaß Weidenhahn bereits eine Druckspritze, die von acht Männern bedient wurde. Damit war eine gezieltere und für den einzelnen weniger gefährliche Brandbekämpfung möglich als beim Löschen mit dem Eimer. Allerdings konnte man mit der Spritze kein Wasser ansaugen, der Spritzenkasten wurde noch von Hand aufgefüllt, wozu weiterhin eine Eimerkette gebildet werden musste.


Einen großen Fortschritt brachte neben den Haken- und Anlegeleitern die 1882 erworbene Saug- und Druckspritze, welche Wasser ansaugen und über lange Schläuche bis zum Brandherd befördern konnte. Dort schoss das Wasser mit hohem Druck aus dem Strahlrohr auf den Brandherd. Mindestens vier Männer mussten durch Pumpbewegungen für den nötigen Druck sorgen. Wegen dieser anstrengenden und oft über Stunden dauernden Arbeit war ein regelmäßiger Wechsel der Männer notwendig.


alte Pumpe


Die Durchführung der Brandbekämpfung durch die Pflichtfeuerwehr erwies sich jedoch sehr oft als wenig erfolgreich. Zum einen war die Ausrüstung und deren Wartung unzureichend, zum anderen mangelte es vor allem an der Disziplin und Einsatzbereitschaft der Löschdienstpflichtigen.


Aus diesem Grund wurde eine Versammlung einberufen, die zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr führen sollte. Am 16. Januar 1887 trafen sich hierfür in der Gastwirtschaft Groß die Bürger

Matthias Weller, Schneider
Peter Holzenthal, Landwirt
Jakob Holzenthal, Landwirt
Wilhelm Groß, Gastwirt
Jakob Krah, Landwirt          
Jakob Wörsdörfer, Händler
Christian Ritz, Landwirt
Christian Müller, Schuhmachermeister
Christian Weiand, Landwirt          
Johann Wörsdörfer VI
Peter Görg, Maurer          
Johann Frensch.
 
Da jedoch keiner der Anwesenden über ausreichende Kenntnisse verfügte und deshalb niemand die Verantwortung als Kommandant der neuen Freiwilligen Feuerwehr übernehmen wollte, verzögerte sich deren Gründung.


Nach einem großen Hagelschlag mit zwei Bränden im Juli, denen im März ein Waldbrand vorangegangen war, ergriff Förster Johann Metternich die Initiative und gründete gemeinsam mit Johann Adam Alef, Johann Alef, Wilhelm Groß und Jakob Weisenfeld III am 1. August 1893 die Freiwillige Feuerwehr Weidenhahn. Damit gehört Weidenhahn zu einer der ersten Freiwilligen Feuerwehren im heutigen Westerwaldkreis. Johann Metternich wurde der erste Kommandant, die 24-köpfige Spritzenmannschaft rekrutierte sich zunächst noch aus den Pflichtfeuerwehrleuten, jedoch bereits nach etwa zehn Jahren vollständig aus freiwilligen Feuerwehrleuten.


 

Gründungsurkunde klein

Gründungsurkunde vom 21. September 1893



Viele Orte in der Umgebung wurden von der Feuerwehr Weidenhahn mit betreut, Brände in Ewighausen, Kuhnhöfen, Niedersayn, Sainerholz und sogar in Montabaur wurden von den Feuerwehrleuten aus Weidenhahn gelöscht. Dabei wurde die Feuerwehrspritze von einem Vierergespann zum Einsatzort gezogen. Die Alarmierung der Feuerwehrleute erfolgte im Dorf mit Hilfe eines Horns, das noch aus der napoleonischen Besatzungszeit stammte und sich noch heute im Besitz der Feuerwehr befindet. Die Feuerwehrmänner, die sich auf den Feldern befanden, wurden mit Glockengeläut zum Einsatz gerufen.


Unter dem zweiten Kommandanten Christian Fein wurde der regelmäßige Übungsdienst eingeführt, der zeitweise sogar sonntags noch vor der Frühmesse um 5 Uhr morgens abgehalten wurde. Im Ersten Weltkrieg hatten sogar Frauen der eingezogenen Feuerwehrmänner als Wasserträgerinnen an der Feuerwehrspritze an den Übungen teilgenommen.


Zur Jahreswende 1910/11 wurde ein Spielmannszug gegründet, der jedoch aufgrund des Ersten Weltkrieges nicht fortbestand.


1918 konnte wegen des Krieges das 25-jährige Bestehen nicht gefeiert werden. Erst im Jahr 1921 würdigte man das Jubiläum mit einem großen Fest.


Urkunde Johann Meternich

Verdiensturkunde für Johann Metternich 1926



1934 wurde die Freiwillige Feuerwehr als Verein durch die Nationalsozialisten aufgelöst und zur Feuerschutzhilfspolizei umfunktioniert, bis die französische Besatzung 1945/46 kurzzeitig die Struktur der Freiwilligen Feuerwehren erneut änderte.


Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in der Feuerwehr Weidenhahn seine Spuren. Man verzichtete 1943 auf eine Feier zum 50-jährigen Jubiläum und feierte statt dessen im Jahr 1953 den 60-jährigen Jahrestag der Gründung.


Um den Wehrführer Anton Fein zu entlasten, der gleichzeitig auch Ortsbürgermeister von Weidenhahn war, wählte man 1966 einen 1. Vorsitzenden, der seither die Vereinsarbeit übernimmt.


1967 folgte die Gründung der Jugendfeuerwehr und unter der Regie des ersten Vorsitzenden Klemens Wörsdörfer feierte man das 75-jährige Jubiläum 1968 mit einem dreitägigen Fest. Mit dessen Erlös konnte die finanzielle Grundlage für die Gründung eines Jugendfeuerwehrorchesters geschaffen werden. Am Volkstrauertag 1969 erfolgte dann dessen erster öffentlicher Auftritt am Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. In den folgenden Jahren trug das Jugendfeuerwehrorchester unter verschiedenen Namen (Jugendfeuerwehrkapelle, Feuerwehr-kapelle, Jugendfeuerwehrmusikzug, Jugendfeuerwehrorchester, Orchester der Freiwilligen Feuerwehr) bis zu seiner Verselbständigung als Musikverein Weidenhahn im Jahr 1977 viel zum positiven Bild des Ortes in der Öffentlichkeit bei.

 

Das 85-jährige Gründungsjubiläum wurde 1978 ebenso wie das 90-jährige Jubiläum im Jahr 1983 wieder mit einem dreitägigen Fest gefeiert.


Zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft und Koordination der einzelnen Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Selters wurde das Feuerwehrfahrzeug 1980 mit einem Sprechfunkgerät ausgestattet.

 

Am 25.02.1985 erfolgte dann die offizielle Gründung des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Weidenhahn e. V., der seitdem im Rahmen seiner anerkannten Gemeinnützigkeit das Feuerwehrwesen in Weidenhahn fördert, die Kameradschaft der ehemals aktiven Feuerwehrleute pflegt, die sozialen Belange der Mitglieder (insbesondere der Einsatzabteilung) wahrnimmt, die Grundsätze des freiwilligen Feuerwehrwesens insbesondere durch gemeinschaftliche Übungen  und Veranstaltungen pflegt und nicht zuletzt die Jugendfeuerwehr fördert.

 

Nach dreijährigem Umbau in über 1.700 Stunden Eigenleistung wurde am 1. Mai 1988 die Einweihung des Feuerwehrgerätehauses und die Übernahme eines neuen Feuerwehrfahrzeuges gefeiert. Seitdem begeht die Feuerwehr traditionell am 1. Mai den Florianstag mit einem zünftigen Fest.

 

Im Jahr 1993 konnte die FFw Weidenhahn auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Auch dieses Jubiläum wurde, genauso wie das 110-jährige Gründungsjubiläum im Jahr 2003, traditionell mit einem mehrtägigen Fest gebührend gefeiert.

 

Seit 2010 veranstaltet der Förderverein im Januar eine Fackelwanderung. Diese Wanderung, die mit zwei verschieden langen Rundwegen und Rastmöglichkeiten an den Zwischenstationen rund um Weidenhahn führt, findet ihren regelmäßigen gemütlichem Ausklang bei Glühwein und anderen Erfrischungen am Feuerwehrgerätehaus.


Mit dem Erlös aus den Veranstaltungen des Fördervereins wird seit dessen Bestehen überwiegend die Ausrüstung der Feuerwehr verbessert, die seitens der Verbandsgemeinde zur Verfügung gestellte Ausrüstung ergänzt und die Wehr dadurch auf einem hohen technischen Standard gehalten.

 

1990 erfolgte die Übernahme der ersten beiden Atemschutzgeräte. 1993 stiftete Burkhard Ehl als Schirmherr des 100-jährigen Jubiläumsfestes der Feuerwehr drei weitere Handsprechfunkgeräte. 1998 konnten die Feuerwehrmänner mit Unterstützung des Fördervereins mit neuen feuer- und hitzebeständigen Einsatzjacken ausgestattet werden und am 10.05.2000 übergab der Förderverein der Einsatzabteilung ein aus Mitteln des Vereins finanziertes zweites Einsatzfahrzeug (Mannschaftstransporter). Ebenfalls aus Vereinsmitteln finanziert wurden die Funkmeldeempfänger, die über die von der VG zugestandene Anzahl hinaus beschafft wurden. Daneben unterstützte der Förderverein die Einsatzabteilung durch den Kauf von Flammschutzhauben, Hemden und T-Shirts und beteiligte sich finanziell an der Ausrüstung mit Feuerwehrstiefeln.

 

Dem hohen Anforderungsniveau und gestiegenem Kenntnisstand der Wehren wird durch die Teilnahme der Feuerwehrleute an diversen Aus-, Fort- und Weiterbildungslehrgängen ständig Rechnung getragen. Neben Neuerwerb und Aktualisierung der theoretischen Kenntnisse im Bereich der Brandverhütung und Brandbekämpfung werden auch regelmäßig praktische Übungen von den aktiven Feuerwehrleuten durchgeführt.

 

Der Leistungsstand der Wehr wird seit Jahren regelmäßig durch die Teilnahme an diversen Wettbewerben unter Beweis gestellt. So wurden im Laufe der Jahre folgende teils internationale Wettbewerbe erfolgreich und mit entsprechenden Auszeichnungen abgeschlossen:

 

 Sept.  1992       Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze

 27.09.1997       Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze

 29.09.2001       Feuerwehrleistungsabzeichen in Silber

 17.09.2005       Feuerwehrleistungsabzeichen in Gold und Silber

 30.08.2008       Bundesleistungsabzeichen in Bronze (in Hachenburg)

 13.06.2009       Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze (in Luxemburg)

 26.06.2010       Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze (in Italien)

 21.08.2010       Feuerwehrleistungsspange in Bronze (in Bitburg)

 28.05.2011       Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze (in Westerburg)

 

Am 4. und 5. Mai 2013 feierte die Feuerwehr ihr 120-jähriges Bestehen mit einer großen Fest- veranstaltung. Nach einer Zirkeleinsatzübung unter der Teilnahme verschiedender Feuerwehr- einheiten aus der Verbandsgemeinde Selters spielte am Samstagabend die bekannte Liveband Discover im Bürgerhaus. Sonntags fand ein Festkommers statt, bei dem u. a. der bisherige Wehrführer Wilfried Hannappel sowie sein neuer Stellvertreter Nico Schwind für die nächsten zehn Jahre in ihrer Funktion für die Feuerwehr verpflichtet wurden. Nach einem Konzert des Musikvereins Weidenhahn klang die gelungene Veranstaltung dann aus.

 

Auch in Zukunft wird der Fortbestand der Feuerwehr durch eine engagierte Jugendarbeit gesichert und Weidenhahn weiterhin um eine aktive Gemeinschaft bereichert sein.

 


 

 

 

 

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Mittwoch, 13. Dezember 2017

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